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Finanzminister Steinbrück redet Bankmanagern ins Gewissen

Bankmanager stehen im Ruf, konservativ und risikoscheu zu sein. Der Bundesverband deutscher Banken hat ihn auf dem 18. Bankentag widerlegt. Es gab zwar mit dem Schauspielhaus auf dem Berliner Gendarmenmarkt eine traditionsreiche Spielstätte, aber dort eine echte Innovation. So wurde der Bankentag am Montag abend nicht von einem ehrwürdigen Präsidenten oder einem anderen älteren Herrn mit silbernem Haar eröffnet, sondern von einer Schülerin, die so gut wie keiner kannte: Anna Lübbe, Preisträgerin des Projekts „Jugend und Wirtschaft“, das der Bundesverband deutscher Banken und die Frankfurter Allgemeine Zeitung gemeinsam tragen, kam diese besondere Aufgabe zu. Sie nutzte sie, um eindringlich die Befindlichkeit eines Landes, wohlhabend einerseits, und zweifelnd an seinen Möglichkeiten andererseits, aus der Sicht der Generation zu schildern, die nun ins Erwerbsleben drängt. Anschaulich beschrieb sie ihre Leistungsbereitschaft, forderte aber auch die Vertreter in Politik und Wirtschaft auf, an die Belange der Jugend zu denken, wenn sie Entscheidungen zu treffen hätten.

Es sollte ein Bankentag der besonderen Art werden. Denn anschließend erinnerte Bundestagspräsident Norbert Lammert an den Spruch von Thomas Jefferson, einem der Gründungsväter der Vereinigten Staaten, wonach Banken gefährlicher sind als stehende Armeen. Der versammelten Elite aus der Finanzwelt schrieb der CDU-Politiker zudem ins Stammbuch, daß Gemeinwohl wohl nicht die richtige Übersetzung von „Shareholder value“ sei. Er warnte vor einem wachsenden Auseinanderdriften der Gesellschaft. Seit Anfang der achtziger Jahre sei die Lohnquote in Deutschland nicht gestiegen. Man müsse daher wieder mehr zur Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand tun, folgerte er.

Bemerkenswert war der Auftritt von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück am nächsten Tag. Nachdem Lammert ihm sein Jefferson-Zitat weggenommen habe, habe er beschlossen, sein Manuskript beiseite zu legen, berichtete er eingangs. Der SPD-Politiker beschrieb dann in freier Rede die Konflikte und Zwänge, vor der jede Reformpolitik steht. Dabei müßten die Menschen „mitgenommen“ werden. Die Vertreter der Wirtschaft nahm er dabei in die Pflicht, nicht nur Forderungen etwa nach Liberalisierungen zu stellen, sondern auch zu erklären, warum dies notwendig sei. Seine Darstellung der Lage der öffentlichen Haushalte fiel so überzeugend aus, daß Banken-Präsident Klaus-Peter Müller ihm beisprang und betonte, der Bundesverband werde die Mehrwertsteuererhöhung nicht länger kritisieren, weil man auch nicht sehe, woher das Geld für den Bundeshaushalt sonst kommen solle. Zugleich machte er klar, daß sich die privaten Banken ihrer gesellschaftlichen Aufgabe bewußt seien, was sich darin zeige, daß sie über ihren Bedarf ausgebildet hätten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel griff dies dankbar auf. Weniger als 60 Prozent der Jugendlichen erhielten noch eine Ausbildung im Rahmen des dualen Systems, beklagte sie. Mit der Bundeskanzlerin gab es somit einen standesgemäßen Schlußpunkt, bevor der Vorhang zum Ende des 18. Bankentages fiel. (mas.)

Beitrag zum XVIII. Deutschen Bankentag in der F.A.Z. vom 26. April 2006

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