Klaus-Peter Müller
Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken und
Sprecher des Vorstandes der Commerzbank AG
„Die Jugend ist unsere Zukunft“ – ein Satz, der leicht dahin gesagt ist. Wir privaten Banken sehen darin aber eine große Verpflichtung.
Die Verpflichtung, jungen Menschen Gehör zu verschaffen, sie zu Wort kommen zu lassen und an der Debatte über die Zukunft unserer Gesellschaft zu beteiligen.
Dass junge Menschen diese Gesellschaft gestalten wollen, dass sie Engagement und Leistungsbereitschaft mitbringen, das haben Sie, Frau Lübbe, heute Abend unter Beweis gestellt.
Die Leistungsbereitschaft junger Menschen werden wir umso mehr zur Entfaltung bringen, je stärker wir ihnen ein ökonomisches Grundwissen vermitteln und sie für wirtschaftliche Zusammenhänge interessieren. Genau dieses Ziel verfolgt der Bankenverband mit seinem umfangreichen Schul/Bank-Programm.
Dazu gehört zum Beispiel das Projekt „Jugend und Wirtschaft“, das Sie, Frau Lübbe, schon angesprochen haben.
Oder das Bankenplanspiel „Schul/Banker“. Die drei besten Teams der diesjährigen Runde sind heute unter uns – dies ist schon eine kleine Tradition des Bankentages. Auch Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen Banker, ein herzliches Willkommen!
In der Tradition des Bankentages liegt auch – und vor allem – der partnerschaftliche Dialog zwischen Banken und Politik. Uns ist dies ein wichtiges Anliegen.
Denn Politik und Wirtschaft stehen vor einer gemeinsamen Aufgabe: Wie müssen wir die Weichen stellen, um unser Land für die Zukunft fit zu machen?
Uns allen ist bewusst, dass wir eine ganze Reihe von Weichenstellungen vornehmen müssen, die nicht einfach sind.
Doch die Aufgabe ist klar, und Frau Lübbe hat sie uns ja ans Herz gelegt:
Wo immer wir Verantwortung tragen, sollten wir stets so entscheiden, dass unsere Kinder und Enkel auch morgen und übermorgen noch in Freiheit und Wohlstand leben können.
Ich betone an dieser Stelle ausdrücklich: Dies gilt nicht nur für die Politiker, es gilt gleichermaßen für die Vertreter der Wirtschaft.
Wir spüren schon seit geraumer Zeit, dass unsere Gesellschaft sich in einem umfassenden, tief greifenden Wandel befindet. Die privaten Banken wollen diesen Wandel aktiv mitgestalten.
Jeden Tag müssen deutsche Banken sich im Wettbewerb behaupten – und bestimmen auf diese Weise darüber mit, ob der Finanzplatz Deutschland auch morgen noch attraktiv ist.
Jeden Tag entscheiden Banken über die Finanzierung von Investitionen, begleiten Privatkunden beim Aufbau ihres Vermögens und Firmenkunden bei ihren Geschäften – und sind damit eine Schlüsselbranche der Volkswirtschaft.
Banken sind aber nicht nur ein wichtiger Teil der Wirtschaft, sie sind auch ein wichtiger Teil der Gesellschaft.
Das hat viele Facetten: Banken engagieren sich – über ihre Geschäftstätigkeit hinaus – gesellschaftlich; sie nehmen ihre Corporate Social Responsibility wahr, wie wir heute neudeutsch sagen.
Wir private Banken engagieren uns aber auch gesellschaftspolitisch. Dabei plädieren wir dafür, die Kraft des Wettbewerbs stärker zur Geltung zu bringen. Die richtigen Antworten auf viele der Fragen, die unsere Zeit stellt, sind marktwirtschaftliche Antworten.
In diesem Sinn setzen wir uns für Reformen ein, von denen wir überzeugt sind, dass sie unser Land in eine gute Zukunft führen. Dieser Bankentag soll ein Beitrag dazu sein.
Wie aber sieht eine kluge Reformpolitik aus? Sie beginnt nach meiner Überzeugung damit, dass wir – in einer Welt, die vielen zunehmend kompliziert und undurchsichtig erscheint – Zusammenhänge erkennen und deutlich machen.
Zum Beispiel die Zusammenhänge der Globalisierung:
dann hat der globale Wettbewerb einen großen Anteil an diesem Wohlstandsgewinn.
Wenn dieser globale Wettbewerb aber umgekehrt auch die Anforderungen an die Produktivität der Arbeitsplätze in Deutschland erhöht, dann wird dies gern übersehen, verdrängt oder sogar gebrandmarkt.
Mit diesem Zusammenhang müssen wir uns aber nüchtern auseinandersetzen.
Das gilt auch für den Zusammenhang zwischen der demographischen Entwicklung und der Art, wie wir – zum Beispiel – unser Renten- und Gesundheitssystem organisieren:
Wenn es immer mehr alte und immer weniger junge Menschen gibt, dann muss dies die umlagefinanzierte gesetzliche Sozialversicherung über kurz oder lang überfordern.
Lange, viel zu lange haben wir in Deutschland diesen und eine Reihe weiterer Zusammenhänge nicht gesehen oder nicht wahrhaben wollen.
Doch mittlerweile dreht sich der Wind. Erste Reformen sind umgesetzt oder doch auf dem Weg. Dies ist das Ergebnis einer jahrelangen Reformdebatte. Sie trägt Früchte, auch wenn sie – das ist nicht zu bestreiten – anstrengend und bisweilen ermüdend ist.
Falsch oder überflüssig ist sie aber nicht. Im Gegenteil: Deutschland hat seine Hausaufgaben noch lange nicht gemacht, und wir alle wissen dies. Wir dürfen nicht nachlassen, für Reformen zu ringen. Die privaten Banken sind jedenfalls entschlossen, dies zu tun.
über diese Fragen wollen wir morgen diskutieren.
Wir werden dazu – neben einer ganzen Reihe anderer Persönlichkeiten – auch die Bundeskanzlerin begrüßen können und ebenso den Bundesminister der Finanzen.
Eine besondere Freude ist es mir aber, Ihnen schon heute Abend den Präsidenten des Deutschen Bundestages, Herrn Dr. Norbert Lammert, ankündigen zu können.
Herr Präsident, wir sind sehr gespannt auf Ihre Ausführungen! Ich darf Sie bitten, das Wort an uns zu richten.