Anna Lübbe
Schülerin
Gymnasium Friderico-Francisceum, Bad Doberan
Preisträgerin des Projekts "Jugend und Wirtschaft"
Sie sind nun bestimmt verwundert, dass hier an dieser Stelle nicht ein Ihnen bekanntes Gesicht zu finden ist. In der Tat war ich auch sehr überrascht, ja sogar ein wenig sprachlos, als ich gefragt wurde, ob ich das machen würde, an einem Ort und vor einem Publikum zu sprechen, an dem man das als Schülerin normalerweise nicht tun kann.
Doch habe ich es als eine Chance gesehen, die ich einfach nutzen musste.
Das Thema des diesjährigen Bankentages sind Reformen, Veränderungen für die Zukunft.
Was aber soll sich ändern? Das und was wir, die Jugend, von der Zukunft erwarten, welche Vorstellungen wir haben, haben wir in der Schulklasse diskutiert.
Negative Stimmung und Arbeitslosigkeit kennt jeder aus der eigenen Familie oder von Freunden, auch pessimistische Einstellungen zum Thema Ausbildung, Studium und Job. Selbst das Gefühl, jeder kümmere sich nur noch um seine eigene Person, die gesamte Situation sei trüb und verspreche kaum Besserung, nannten viele. Und auch die Erwachsenen scheinen das nicht anders zu empfinden.
Aber so pessimistisch und unzufrieden sind wir gar nicht! Der Lebensstandard, der hier in Deutschland relativ hoch ist, wird von allen, mit denen ich gesprochen habe, sehr positiv gesehen. Und auch wenn es ein wenig absurd klingt, so sieht doch jeder ganz persönlich für sich seine Zukunft als recht rosig an und ist der Ansicht, dass er seinen Weg schon gehen wird. Eigentlich komisch in einer Umgebung, die so grau zu sein scheint.
Oft hörte ich, was ich auch selber denke: „Wenn ich wirklich will, dann schaffe ich es auch mein Ziel zu erreichen“. Das kann ich selbst nur bestätigen, denn was ich mir bisher intensiv vorgenommen habe, habe ich auch stets geschafft zu realisieren. Seien es gute Noten in der Schule, ein eigenes Pferd, den Führerschein, oder selbst den Mut zu haben, hier zu stehen und vor Ihnen zu sprechen.
Bloß gerade dieses wirkliche Wollen ist häufig das Problem. Ich habe oft das Gefühl, dass Jugendliche ihre Kapazitäten gar nicht voll ausschöpfen, nicht das machen und schaffen, was sie eigentlich könnten. Es werden Ausreden gesucht, die allgemeine Situation sei ja so schlecht, was soll ich denn auch machen, denken viele. Die Einstellung vieler sehe ich als Hauptproblem an, wobei das aber keineswegs nur auf uns, die Jugend, zutrifft, bei Erwachsenen ist es nicht groß anders. Es stellt ein generelles Problem dar, dass die Motivation fehlt Dinge zu bewegen und alles aus sich raus zu holen.
Jeder ist für sein Leben schließlich allein verantwortlich und sollte diese Gestaltung aktiv in die Hände nehmen, sich dabei engagieren, für sich selbst, aber auch für andere .Das beginnt schon in der Nachbarschaft und nicht nur alte Menschen sind für Hilfe dankbar.
Jedoch brauchen vor allem junge Menschen, die in der Entwicklung stehen und erst Erfahrungen sammeln müssen, dabei Unterstützung. Wir benötigen noch mehr Möglichkeiten, um unsere Zukunft nach unseren Bedürfnissen selbstständig mitzugestalten. Denn wer ist mehr darauf angewiesen als wir selbst, wie Bildung und Arbeitswelt künftig bestellt sein werden?!
Das negative Bild, das zum Teil um uns herum existiert, junge Menschen, die kaum oder nur sehr schlecht lesen, schreiben und auch rechnen können, fehlende Ausbildungsplätze und vermehrt Freunde, die schon mit 19-20 Jahren nach der Lehre nicht übernommen werden und plötzlich ohne Arbeit dastehen, ist sicher trüb, doch ist das gerade der Grund für uns etwas dagegen zu tun. Wir wollen arbeiten, wollen Innovationen, neues Lernen und sind auch bereit uns dafür anzustrengen. Doch müssen wir ernst genommen und auch gefordert werden.
Weiterhin scheinen Wirtschaft und Politik oft sehr undurchsichtig und kompliziert, und was man nicht versteht, schreckt ganz einfach ab. Darum ist es eine Aufgabe diese beiden Felder verständlicher zu machen durch klare Aussagen und einleuchtende Erklärungen. Dann würde die Berührungsangst mit Ökonomie und Politik sicher sinken und das Interesse steigen.
Spannende Sachen und Projekte wie die Schülerakademie oder „Jugend und Wirtschaft“ von der F.A.Z. und dem Bankenverband, um nur zwei von vielen zu nennen, sind sehr hilfreich. Sie binden Jugendliche stärker in das Wirtschaftsgeschehen mit ein, lassen uns kreativ werden und uns auf angenehme Weise lernen, mit Ökonomie, Politik und auch Wissenschaft umzugehen. Dann kann selbst die als so trocken angesehene Wirtschaft begeistern.
So beispielsweise das bereits erwähnte Projekt „Jugend und Wirtschaft“, an dem ich selber im Rahmen des Sozialkundeunterrichts teilnehmen durfte. Anfangs waren wir noch wenig erfreut, als uns unsere Lehrerin mitteilte, dass sie uns erfolgreich dafür angemeldet hat. Wirtschaftsartikel schreiben, hieß es dann, für eine solch renommierte Zeitung wie die F.A.Z. Hmm, Skepsis machte sich breit und zugegebenermaßen lockten uns anfangs nur die zu gewinnenden Preise. Doch wurde uns beim Arbeiten Wirtschaft begreiflicher, es war zum Teil sogar extrem spannend Zusammenhänge herauszustellen und auch Zahlen zu erfahren, mit denen man nicht gerechnet hätte.
Reiten ist mein Hobby, deshalb habe ich einen meiner zwei veröffentlichten Artikel über Pferdezucht und Deckhengste geschrieben. Vorher machte ich mir eher wenig Gedanken, was da wirtschaftlich alles hinter steckt und freute mich einfach nur über neue Fohlen und Pferde. Doch mit der Recherche für meinen Artikel, wurde mir erst richtig deutlich, wie gewinnbringend so ein edles Tier doch sein kann. Begründungen für wirtschaftliches Verhalten wurden uns schlüssig, und es ist in Wahrheit gar nicht so kompliziert, wie es auf den ersten Blick scheint. Solche Chancen brauchen wir vermehrt, und das nicht nur an Gymnasien, jedem soll Wirtschaft und Politik begreiflich sein, damit auch jeder Interesse entwickelt, sich daran zu beteiligen.
Womit wir bei dem wichtigen Thema Bildung sind. Sie ist die Grundlage für unsere Zukunft und sollte uns bestmöglich auf diese vorbereiten können. Doch viele Entscheidungsträger haben wenig Ahnung von den wirklichen Vorgängen im Schulalltag, entscheiden munter über Schaffung von Gesamtschulen, eine längere gemeinsame Orientierungsstufe oder Veränderungen im Abitur, ohne, wie ich zum Teil den Eindruck habe, zu wissen, was das für negative Folgen haben kann. So wird unser Mecklenburger Abiturschnitt in Bayern zum Beispiel intern um einiges abgewertet oder Klassenstärken werden im Zuge von Einsparungen vergrößert.
Doch darf das wichtigste nicht vergessen werden: Dass es um uns geht, um eine junge Generation, die die Zukunft macht, die motiviert und engagiert ist, Verantwortung zu übernehmen und Aufgaben zu bewältigen. Dafür bedürfen wir bestmöglicher Unterstützung, die uns langsam heranführt und Chancen ermöglicht, so wie ich sie hier heute erhalten habe.
Also möchte ich diese auch nutzen und Sie bitten, was immer Sie heute und morgen hier beraten und was Sie auch übermorgen in Ihrer täglichen Arbeit entscheiden und realisieren, denken Sie dabei auch an uns, die Jugend, und an unsere Zukunft. Wir werden es Ihnen danken.
Hiermit eröffne ich den 18. Deutschen Bankentag in Berlin.